Wie bringen wir die Unendlichkeit in den Griff?

Ich erinnere mich noch gut an den Tag in der Volksschule, als wir unsere Zahlen von tausend auf eine Million erweiterten und unsere Professorin einen Zahlenstrahl an die Tafel malte, eine einfache Linie, an der wir uns in Zukunft beim rechnen orientieren sollten. Der Schock saß tief. Auf einmal baut sich vor mir eine dermaßen unzufriedenstellende Visualisierung von einem System auf, dass ich, drehe und wende man es wie man will, chancenlos niemals in den Griff bekommen kann. 

Wie sich Menschen Zahlen vorstellen ist eine interessante Frage, nach der schon länger geforscht wird. Manche Forscher behaupten, der natürliche Zahlenverstand sei logarithmisch, der Zahlenstrahl, der heute gelehrt wird, sei etwas unnatürlich angelerntes. 

Vorstellungsvermögen ist individuell. Ich glaube, jeder stellt sich Zahlen genauso verschieden vor wie sich Farben verschieden anfühlen oder wie Gerüche verschiedene Erinnerungen wecken. In diesem für mich sehr persönlichen Projekt habe ich versucht, mein individuelles Zahlensystem zu visualisieren. Der Sinn ist, es für mich geltend zu machen sowie mich damit auseinanderzusetzen, wie mein inneres Auge denkt und sieht. 

Im Rahmen einer Ausstellung würde ich einige leere Rollen oder Papierstreifen zur Verfügung stellen und die ZuschauerInnen dazu aufrufen, ihre eigene Vorstellung zu visualisieren. Jede einzelne soll dann ihre Interpretation neben meine hängen, bis nach mehreren Tage eine ganze Wand gefüllt wird.